Sternengeflüster e.V.

Sternengeflüster e.V. ist ein gemeinnütziger Verein für Worms und Umgebung mit Sitz in Worms-Horchheim, gegründet 2018 von Sternenkind-Eltern. Der Verein hat es sich zu Aufgabe gemacht, trauernden Eltern bei und während stiller Geburt, frühzeitigem Schwangerschaftsabbruch, Fehlgeburt, sowie infauster Diagnose in der Schwangerschaft zu unterstützen. Der Verlust des eigenen Kindes trifft die Eltern oft völlig unvorbereitet und kann sie in eine tiefe, scheinbar endlose Trauer stürzen.

Kein einfaches Thema – aber ein besonders wichtiges! Deswegen ist es höchste Zeit, Euch diesen großartigen Verein und sein kostenfreies Angebot näher vorzustellen.

  • Wie werden die betroffenen Eltern auf Euch aufmerksam und wann sollten sie Euch kontaktieren?

Im Idealfall werden die betroffenen Eltern von Ärzten oder dem Klinikpersonal direkt auf uns aufmerksam gemacht. Die Eltern haben ab der Diagnose bzw. dem festgestellten Tod ihres Babys (unabhängig von der Schwangerschaftswoche) die Möglichkeit, uns über Facebook, unsere Homepage, per E-Mail oder telefonisch direkt zu kontaktieren. Auf diese Weise können wir ihnen im Akutfall auf Wunsch bei der Geburt zur Seite stehen. Außerdem beraten & begleiten wir die Eltern während der Zeit im Krankenhaus, beim Bestatter, zu Hause und in den geschützten Räumlichkeiten des Vereins, die im Sommer 2020 mit viel Liebe dafür hergerichtet worden.

Auch Angehörige, Freunde und medizinisches Personal können uns jederzeit zur Unterstützung kontaktieren.

www.sternen-gefluester.de/notfall-kontaktformular/

  • Wie begegnet Ihr den Eltern beim ersten Treffen?

Zunächst einmal – wir sind alle selbst Betroffene mit einem oder mehreren Sternenkindern, wissen also sehr gut wie sich der erste Schock, Sprachlosigkeit, verzweifelte Wut und endlose Trauer anfühlt. Deswegen fällt es uns nicht schwer, auf die Familien zuzugehen und „einfach da“ zu sein. Manchmal ist es, als wäre da ein unsichtbares Band, welches uns Sterneneltern unmittelbar verbindet.

Im ersten Gespräch gehen wir auf die individuelle Situation ein, nehmen Sorgen und beantwortet Fragen. Zum Beispiel ermutigen wir Eltern, deren Kind noch nicht geboren ist, sich Zeit zu nehmen für die Entbindung und eventuell Vorbereitungen zu treffen. Manche Familie wünscht sich noch einen Gips-Bauchabdruck als Erinnerungsstück, anderen wollen sich vorab besondere Kleidungsstücke für ihr Kind aussuchen.

Dabei ist es uns besonders wichtig, den Eltern keinen festen Weg vorzugeben, sondern ihnen Mut zu machen, auf ihr eigenes Bauchgefühl zu hören und ihren Abschied ganz nach ihren persönlichen Wünschen zu gestalten.

Außerdem sind unsere personalisierten Trostboxen inzwischen zu einem festen Bestandteil geworden

  • Eure Trostboxen sind wirklich toll! Sie sind gefüllt mit so vielen liebevoll gestalteten Dingen, und genug Platz für weitere Erinnerungsstücke der Eltern. Eine weitere Besonderheit sind die 3D Hand- und Fußabdrücke, welche ihr anfertigt. Wir funktioniert das?

Da den Sternenkindereltern nur ein spürbar kurzer Augenblick mit ihrem Kind bleibt, ist es für uns umso wichtiger, die Erinnerung an diesen einmaligen Moment für die Ewigkeit festzuhalten. Daher bieten wir an, einen kostenfreien 3D Hand- und Fußabdruck des Kindes zu nehmen. Der mit Hilfe von Alginat & Gips entstandene, detailgetreue Abdruck wird auf diesem Wege zu einem wunderschönen Andenken an das verstorbene Kind. Mit dieser Technik sind solche Abdrücke, je nach Situation, auch bereits in den frühen Schwangerschaftswochen möglich.

  • Ihr begleitet die Familien auch im Kreißsaal, wenn gewünscht. Eine anstrengende Geburt vor sich zu haben, mit dem Wissen den Kreißsaal ohne lebendes Kind zu verlassen, stelle ich mir aus Perspektive der Eltern furchtbar vor.

Aus den eigenen Erfahrungen heraus, wie auch aus den Begleitungen, wissen wir um traumatische Erlebnisse bei der Geburt – von ernsten medizinischen Komplikationen über Alleingelassen werden während der Geburt (gerade bei frühen Schwangerschaftswochen) bis hin zu unsensible Aussagen von Ärzten.

Wenn allerdings die Betreuung gut gelingt, wird die Geburt durchaus als positives Erlebnis wahrgenommen. Mütter sind stolz darauf, die anstrengende Geburt geschafft zu haben und ihr Kind zum ersten Mal im Arm zu halten, zu riechen, zu streicheln, die kleinen Hände und Haarlocken zu entdecken. Dieses Kennenlernen und bewusste Erleben ist für den Verarbeitungsprozess immens wichtig.

Außerdem kommen die professionellen Fotografen von www.mein-sternenkind.de auf Abruf in die Klinik und halten diese besonderen Momente kostenfrei fest. Die Fotos sind ein wertvolles Erinnerungsstück für die Eltern.

  • Vor kurzen hat Chrissy Teigen ihre Fehlgeburt öffentlich gemacht und dies ist z.T. stark kontrovers diskutiert worden. Welchen Umgang würden sich Eltern wünschen?

Jedes Elternpaar hat seinen eigenen Weg, mit der Situation umzugehen. Chrissy Teigen hat sich bewusst dafür entschieden, über ihr verstorbenes Kind zu sprechen. Warum auch nicht? Dieses Kind war freudig erwartet worden, auch von den Geschwisterkindern. Ihr Kind – ihr Sohn – trägt den Namen Jack, und dieser darf ausgesprochen werden. Die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit ihm dürfen geteilt werden, denn er war da und wird immer ein Teil der Familie sein.

So geht es auch anderen Sterneneltern. Aus ihrer Perspektive ist es viel verletzender, NICHT auf ihr Kind angesprochen zu werden, als darüber zu sprechen. Angehörige sollten sich ermutigt sehen, hinzugehen und zuzuhören. Die Eltern nach ihren Erlebnissen zu fragen und mitzuweinen. Es ist ok sprachlos zu sein oder einfach nur zu sagen „ich möchte für Euch da sein“.

Auf unserer Homepage haben wir speziell für Angehörige Anregungen gesammelt, wie sie Sterneneltern hilfreich zur Seite stehen können. Bestimmte Tage im Jahr sind für Sterneneltern dabei besonders sensibel – dazu gehören der Geburtstag des Kindes, der Entbindungstermin oder Weihnachten. Gerade an diesen typischen Familienfesten wie Weihnachten wird den Eltern überdeutlich, dass ihre Familie unvollständig ist.

  • Wie war das eigentlich in früheren Zeiten?

Lass mich dies an einem Beispiel verdeutlichen: Beim Sternenkinder-Gottesdienst im letzten Jahr war eine ältere Frau dabei, die im Anschluss völlig gerührt zu uns Organisatoren kam. Sie konnte zum ersten Mal seit 42 Jahren um ihr Kind trauern. Es ist so wertvoll, dass wir ihr diesen Moment geben konnten.

Früher wurden Fehlgeburten heruntergespielt als „da war ja noch nichts“ und dann über den Klinikmüll entsorgt. Und totgeborene Kinder wurde direkt nach Geburt aus dem Kreißsaal verbracht, weil man dachte, wenn die Eltern ihr Kind gar nicht erst sehen, werden sie auch nicht mit der Trauer konfrontiert. Todgeborene Kinder wurden früher kaum gesellschaftlich berücksichtigt, das Thema ist schlichtweg totgeschwiegen worden.

Den Eltern ist damit der wichtige Trauerprozess genommen worden. Genau deswegen engagieren sich Vereine und Organisationen wie wir dafür, dass sich im Umgang mit dem Thema Sternenkinder noch viel ändert.

  • „Ihr seid doch noch so jung, bekommt einfach ein neues Kind“ Das ist ein Satz, den Sterneneltern sicher oft zu hören bekommen?

Oh ja – das ist eine der Floskeln, die sehr verletzend ist und Sterneneltern weiteren Druck aussetzt. Dabei gibt es, auch bei jungen Paaren, keine Garantie noch einmal schwanger werden zu können. Man bedenke, dass es für den Verlust des ersten Kindes möglicherweise eine medizinische Ursache gibt oder die Angst der Eltern vor einer weiteren Schwangerschaft.

Auch die Folgeschwangerschaft selbst ist durch die vorangegangene Verlusterfahrung durch Ängste und Sorgen geprägt. Daher bieten wir den Eltern in der Folgeschwangerschaft einen geschützten Raum an, in dem sie aufgefangen und über die Geburt des Folgewunders hinaus begleitet werden. Aus diesen Treffen entwickeln sich manchmal sogar kleine Folgewunder-Krabbelgruppen und langjährige Freundschaften.

  • Manchmal ist das Sternenkind nicht das erste, sondern jüngst Kind der Familie. Für Kinder ist der Tod ohnehin schon ein schwierig zu verstehendes Thema – erst recht, wenn das freudig erwartete Geschwisterchen plötzlich verstirbt. Sollten die Geschwisterkinder überhaupt mit dem Sternenkind konfrontiert werden?

Grundsätzlich ermutigen wir die Eltern, ihrem Bauchgefühl zu vertrauen und ihren ganz persönlichen Trauerweg zu gehen. Dies schließt Geschwisterkinder wie auch weitere Familienmitglieder ein.

Geschwisterkinder, egal wie klein, erleben die Trauer der Eltern mit. Gleichzeitig sind sie neugierig und stellen „einfach so“ und völlig angstfrei Fragen. Wenn sie das Sternenkind sehen dürfen – persönlich oder auf Fotos – so sehen sie nicht „den Tod“, sondern ein Baby mit seinen kleinen Händen und Füßen, zarten Haaren, der Stupsnase und vielleicht ist es eingewickelt in eine kuschelige Decke auf Mamas Arm.

Aus unserer Erfahrung ist es hilfreich, den Geschwistern eine kindgerechte Erklärung und kreative Verarbeitung anzubieten. So können Sie zum Beispiel den Sarg gemeinsam den Eltern gestalten oder Briefe schreiben / malen, welche dem Sternenkind mitgegeben werden. Oder zum Geburtstag des Sternenkindes kleine Botschaften an Luftballons gen Himmel steigen lassen.

Mittlerweile gibt es auch eine Reihe an liebevoll gestalteten Büchern zum Thema Trauer bei Kindern, die wir bei Begleitungen einbeziehen.

  • Auf Eurer facebook Seite habe ich Fotos von eurem Stern gefunden. Was ist der Gedanke dahinter?

Mit unserer Aktion „Ein Stern geht auf Reisen“ wollen wir das Thema Sternenkinder in die Welt tragen. Der Stern soll, im Namen aller Sternenkinder, möglichst weit um die Welt reisen und dabei die schönsten Orte entdecken. Er soll symbolisch für unsere verstorbenen Kinder das erleben, was ihnen nicht mehr möglich ist.

Wir haben bewusst diesen lebensbejahenden Ansatz gewählt, um das eigentlich traurige Thema Sternenkinder mit einem Lächeln zu versehen und so in die Öffentlichkeitsarbeit einzubinden.

Jeder kann bei dieser Aktion mitmachen! Kontaktiert uns einfach über unserer facebook oder instagram Seite oder über sternchen@sternen-gefluester.de .

www.facebook.com/einsterngehtaufreisen

Instagram: @ein.stern.geht.auf.reisen

  • Eure Aktivitäten sind über den Verein rein ehrenamtlich organisiert – ihr leistet dies neben dem Beruf und der eigenen Familie. Was motiviert Euch zu diesem starken Engagement? Und wie geht ihr damit um, immer wieder mit diesen traurigen Schicksalen konfrontiert zu sein?

Sicherlich, wir sind in unserem Engagement immer wieder mit dem Tod konfrontiert und jedes einzelne Schicksal bleibt in unseren Erinnerungen. Nach besonders schwierigen Einsätzen treffen wir uns und besprechen das Erlebte oder weinen gemeinsam – auch das gehört dazu.

Wir können zwar nicht verhindern, dass weiterhin Sternenkinder geboren werden, aber wir können mit unserer Herzensarbeit versuchen, dass die Umstände für die betroffenen Eltern verbessert werden. Dabei sind die emotionalen Rückmeldungen der Sterneneltern unser Lohn, und zu wissen, dass wir das Leben der Eltern durch einen gesunden Trauerprozess nachhaltig beeinflussen.

  • Die Corona Pandemie hat unser aller Alltag völlig durcheinandergebracht. Inwiefern sind Eure Aktivitäten beeinflusst?

Insbesondere zu Beginn der Pandemie durften wir für Akutbegleitungen nicht mehr in die Klinik. Auch wurden oftmals die Papas nicht zugelassen, sodass die Mütter in ihrer Not völlig auf sich allein gestellt waren und zusätzlich traumatisiert wurden. Mittlerweile lassen die meisten Kliniken zu mindestens eine Begleitperson zu und öffnen sich für unsere Arbeit sowie die Sternenkind-Fotografen.

Einen großen Einfluss hat die Pandemie auch auf unsere Gruppenaktivitäten, wie z.B. Gesprächsabende, Angebote zur kreativen Trauerverarbeitung oder den anstehenden Gottesdienst anlässlich des World Wide Candle Lighting Days im Dezember. Wir versuchen möglichst viele Aktivitäten in Kleinstgruppe – je nach aktuell geltender Corona Verordnung – oder in digitaler Version anzubieten. Das stützende Netzwerk, welches wir bieten, ist aber für die betroffenen Eltern gerade in diesen schwierigen Zeiten extrem wichtig.

  • Wie kann man Euch unterstützen?

Wir sind immer dankbar über helfende Hände, welche uns in der Öffentlichkeitsarbeit, im Kreativteam (z.B. Basteln von Erinnerungsstücken für die Trostboxen) oder bei der Akutbegleitung unterstützen. Vielleicht kennt jemand eine Frauenarzt-Arztpraxis, in der unsere Flyer ausgelegt werden können. Auch darüber reden, weitererzählen oder einen Beitrag im facebook teilen hilft.

Außerdem gibt es mittlerweile großartige Kooperationen, zum Beispiel mit JaNi Tee. Diese haben einen Tee für die betroffenen Eltern, nach unseren Wünschen zusammengestellt. Wir hatten uns einen Tee gewünscht bei dem man etwas abschalten kann. Eine kleine Probe haben wir in unserer Trostbox und JaNi hat Ihn aufgrund der hohen Nachfrage mittlerweile auch im Shop unter dem Namen Hab keine Angst.

Wer uns finanziell unterstützen möchte, kann dies gern direkt über unsere Homepage tun:

Geld spenden an Sternengeflüster e. V.

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